Quelle: Freepik.com
Digitalisierung der Lehrmittel an Schulen ist als Forderung in aller Munde – und zwar seit Jahren und andauernd. Es sind diejenigen, die sich für fortschrittlich halten, diejenigen, die glauben, digitale „Kompetenzen“ seien den normalen Grundfertigkeiten vorzuziehen oder zumindest gleichzustellen, die dem PC im Klassenzimmer das Wort reden. Es sind diejenigen, die auf das Manipulieren von digital vermittelten Lehrinhalten hoffen, weil sich unliebsame Meinungen durch Wissensmanipulation vermeiden lassen, und es sind viele Naive, die der Meinung sind, dass Deutschland seine Zukunftsfähigkeit verlöre, wenn nicht schon jeder Grundschüler auf dem Tablet daheim ist.
Dabei ist die Bundesrepublik doch schon längst durchdigitalisiert. Die miniKIM-Studie von 2023 legt dar, dass digitale Geräte bereits im Alltag von Kleinkindern genutzt werden. Dabei wurde das Mediennutzungsverhalten von Zwei- bis Fünfjährigen in Deutschland untersucht. Ergebnis: „Seit 2020 hat der persönliche Zugang der Zwei- bis Fünfjährigen zu smarten Geräten zugenommen. Inzwischen verfügt jedes fünfte Kleinkind über ein eigenes Tablet und bereits jedes zehnte Kind über ein Handy oder Smartphone. Die Mehrheit der befragten Eltern sieht die Nutzung von Smartphones durch Kinder jedoch eher kritisch und ist der Ansicht, dass das Gerät für Kinder viele Gefahren birgt und Smartphones generell nichts für Kinder sind.“ Die andere Hälfte der Eltern sieht das leider anders. Folge: Bei den Vier- bis Fünfjährigen ist der Anteil der Digi-Mediennutzer schon auf 28 Prozent gestiegen und jedes zehnte Kind zwischen zwei und fünf Jahren hat sogar ein eigenes Smartphone. Diese Medien inklusive Internetnutzung sind fester Bestandteil des Alltags von Vorschulkindern. Auf der Strecke bleiben Kommunikationsfähigkeit, Feinmotorik, Problemlösungsfähigkeit sowie soziale Kompetenzen.
Das wird dann später in der Schule nicht anders. Aus diesem Grund hat nun der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Stefan Düll, in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ gewarnt; besonders vor der Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) bei der Erledigung der Hausaufgaben. Düll: „Alles, was außerhalb des Klassenzimmers passiert, könnte theoretisch mit oder von einer KI erledigt worden sein.“ Und das sei von Lehrkräften nicht kontrollierbar. Bestenfalls führten Fragen nach der Herkunft von Inhalten zum Betrug durch KI. Eine Möglichkeit bestünde auch darin, bei Hausaufgaben und in Prüfungen in unteren Klassen die Handschrift zu fordern, wie es Lehrerverbandspräsident Düll fordert.
Ganz bundesdeutscher Verbandspräsident wehrt sich Düll natürlich im gleichen Atemzug der Kritik dagegen, ein Pauschalurteil über Schülerinnen und Schüler zu fällen: „Wir müssen ertragen können, dass die jungen Menschen von heute andere Kompetenzen entwickeln, als wir sie noch haben.“ Eine Binse, die so nicht weiterhilft. Von einer verhältnismäßigen Nutzung digitaler Endgeräte im schulischen Umfeld, also einer Beschränkung der Informationstechnologie auf bestimmte Arbeitsfelder ist selten die Rede. Dabei wäre genau das – nach Erwerb und souveränem Beherrschen der Grundfertigkeiten beim Rechnen, Lesen, Schreiben –, was konstruktiv wäre.
Links:
Lehrerverband sieht Hausaufgaben durch KI bedroht
Schule: Lehrerverband sieht Hausaufgaben durch KI bedroht | STERN.de