Quelle: freepik.com
Als genau dieser entpuppte sich die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) der Kultusministerkonferenz. Warum? Immerhin handelt es sich um 16 Bildungsforscher und Bildungsforscherinnen aus unterschiedlichen Disziplinen die als unabhängiges wissenschaftliches Gremium die Kultusministerkonferenz in ihren Entscheidungsprozessen beraten. Dadurch soll das bundesdeutsche Bildungswesen weiterentwickelt werden. Auf der Homepage der SWK heißt es: „Sie identifiziert bestehende Probleme und gibt evidenzbasierte Empfehlungen für deren Lösung. Dabei nimmt die Kommission eine interdisziplinäre, längerfristige und systemische Perspektive ein.“
Dieser Beratungsansatz findet sich unter anderem in den Publikationen der SWK wieder. Eine davon wurde im April dieses Jahres veröffentlicht und wurde als Gutachten mit dem Titel „Kompetenzen für den erfolgreichen Übergang von der Sekundarstufe I in die berufliche Ausbildung sichern“ vorgelegt. Schön und gut. Wer sich durch die 216 Seiten mit dem geschätzt einhunderttausendmal verwendeten Wort „Kompetenzen“ wühlt, wacht aus der geistigen Ermüdung auf, wenn er lesen muss, dass die SWK empfiehlt, „mittelfristig die Einführung bzw. den Ausbau eines Verbundfachs Naturwissenschaften oder eines Kooperationsmodells in der Fachgruppe Naturwissenschaften in der Sekundarstufe I prüfen [zu lassen] […].“
Damit könnte möglicherweise das „Ende des klassischen Fachunterrichts in Biologie, Chemie und Physik“ (news4teachers.de) eingeläutet werden. Angesichts des berechtigterweise allgemein festgestellten Ausbildungsmangels in den sogenannten MINT-Fächern scheint die Empfehlung der SWK besonders widersinnig, was sie auch ist. Dementsprechend aufgeregt ist die Pädagogen-Fachwelt. So stellt die Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands (DPhV) Susanne Lin-Klitzing fest: „Wer auf die Fächer Biologie, Chemie und Physik verzichten will, schafft nicht nur den Bildungsstandort, sondern auch gleich den Wirtschaftsstandort Deutschland ab!“ Naturwissenschaftliche Fachgesellschaften äußerten sich ebenfalls ablehnend.
In dem Gutachten heißt es auch: „Naturwissenschaftlichen Kompetenzen kommt eine zentrale Rolle für berufliche und gesellschaftliche Teilhabe zu. Jedoch entwickeln viele Jugendliche die für einen erfolgreichen Übergang in die berufliche Bildung oder die Sekundarstufe II erforderlichen Kompetenzen nicht. Im Verlauf der Sekundarstufe I zeigt sich zudem ein deutlich ausgeprägter Rückgang des Interesses an Naturwissenschaften (insbesondere an Physik und Chemie).“ Statt hier also auf Leistungserfüllung zu pochen und den Lehrauftrag zu erfüllen, soll auch dieses Mal der Standard gesenkt werden. Denn Hauptsache ist, dass der naturwissenschaftliche Unterricht „stärker an persönlich und gesellschaftlich relevanten Kontexten (z. B. gesellschaftlichen Herausforderungen wie dem Klimawandel) […]“ ausgerichtet werden kann…
Links:
https://www.swk-bildung.org/content/uploads/2025/03/SWK_2025_Gutachten-Sekundarstufe-I.pdf
https://excitingedu.de/verbundfach-naturwissenschaften-ein-vorschlag-fuehrt-zu-debatten/