Quelle: Freepic.com
Demokratieverständnis gilt als unverzichtbarer Bestandteil politischer Bildung. Neben allen anderen sollten besonders junge Menschen demokratische Prozesse verstehen und aber auch erkennen können, wenn Demokratie ad absurdum geführt wird. Kritiker werfen denjenigen, die vehement Demokratieunterricht fordern, vor, weniger die offene Meinungsbildung fördern als vielmehr Indoktrinationsmöglichkeiten für ein politisch linkes Weltbild schaffen zu wollen. Insbesondere spielt die Okkupation eines zweifelhaften Demokratiemodells mit dem Deckelbegriff „Unsere Demokratie“ durch die politische Linke und ihre Handlanger eine ungute Rolle in der Diskussion. Denn der Eindruck drängt sich auf, dass es eigentlich darum geht, schon in der Schule freiheitlich-patriotische Positionen unmöglich zu machen.
Ursache für diese völlig berechtigte Ansicht ist nicht nur die Beobachtung, dass demokratische Werte im Unterricht häufig nicht wertneutral vermittelt werden. Es werden also Themen wie soziale Gerechtigkeit, Klimapolitik, Migration oder Geschlechterfragen oft genug aus einer Perspektive behandelt, die klar links-ideologisch zu verorten ist. Alternative Sichtweisen, etwa konservative, freiheitliche oder wirtschaftsliberale Argumente, werden dagegen – wenn überhaupt – verkürzt dargestellt, moralisch problematisiert oder sie werden gar nicht erst thematisiert. So entsteht der zwingende Eindruck, die „wahre“ Demokratie sei untrennbar mit einer links-ökologischen, sogenannten „progressiven“ politischen Haltung verbunden.
Problematisch wird dies insbesondere dann, wenn Lehrkräfte ihre Rolle als Moderatoren pluralistischer Debatten verlassen und selbst als politische Akteure auftreten. Wenn Schülerinnen und Schüler lernen, welche Meinung „richtig“ und welche „falsch“ ist, wird politische Bildung zur Gesinnungserziehung. Gerade junge Menschen, die sich noch in der Phase der Meinungsfindung befinden, sind empfänglich für solche mehr oder weniger subtilen Beeinflussungen.
Befürworter des aktuellen Demokratieunterrichts argumentieren, dass demokratische Grundwerte wie Toleranz, Gleichberechtigung und Solidarität nicht verhandelbar seien. Gut, doch Demokratie lebt nicht nur von gemeinsamen Werten, sondern auch von Dialog, Widerspruch und dem Aushalten unbequemer Positionen. Wer Demokratieunterricht auf eine einzige „richtige“ Lesart reduziert, schwächt letztlich das demokratische Prinzip selbst. Das war im Staatsbürgerkundeunterricht der DDR, die sich bis zuletzt als „demokratischer“ Staat selbst definierte, schon einmal Usus.
Politische Bildung in Deutschland muss deshalb bewusst unterschiedliche politische Perspektiven einbeziehen und kontroverse Debatten zulassen. Ziel sollte nicht die Erziehung zu „richtigen“ Demokraten sein, sondern die Befähigung zu kritischem Denken. Andernfalls läuft Demokratieunterricht Gefahr, genau das zu werden, was er eigentlich verhindern soll: ein Instrument politischer Indoktrination.