Allensbach-Umfrage zu Bildungschancen im Auftrag der Deutsche Telekom Stiftung

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Die Stiftung fragt sich in ihrer Pressemitteilung vom 29. Januar allen Ernstes, ob der „Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen in Deutschland davon ab[hängt], ob sie in der Stadt oder auf dem Land zur Schule gehen?“ Abgezielt wurde dabei aber nicht auf die sozialen Unterrichtsgegebenheiten, sondern vielmehr auf infrastrukturelle Probleme und materielle Schulausstattungen, die Land und Stadt unterscheiden könnten. Außerschulische Angebote oder solche zur Berufsorientierung und die Anbindung an den Nahverkehr sind den Studienautoren wichtig. Fazit: „Über 80 Prozent aller Eltern und Bürgermeister sowie 70 Prozent der Schulleitungen haben den Eindruck, dass junge Menschen in der eigenen Stadt oder Gemeinde gute Bildungschancen haben.“ Wie beruhigend, dann ist ja alles im Lot …

Die auf gar keinen Fall dem rechten Spektrum der Lehrerschaft zugehörige frühere Schulleiterin Silke Müller zieht das Thema Bildung im Gespräch mit WDR 5 anders auf. Sie meint, dass das deutsche Bildungssystem an mangelnder Digitalisierung, am Fachkräftemangel, zu wenig Schulsozialarbeit und an der maroden Gebäudeinfrastruktur kranke. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sieht sie das Bildungssystem als „Ruinenverwaltung“ und sie bemängelt, dass das System Schule, „das ungefähr 200 Jahre alt ist und aus der preußischen Zeit kommt“ zu traditionell geprägt sei. Schule müsse allerdings „entpolitisiert“ werden, Grundkompetenzen seien unbedingt zu fördern. Das Stadt-Land-Thema hat Silke Müller – auch wenn man ihr in anderen Fragen nur bedingt zustimmen mag – zu recht gar nicht „auf dem Schirm“. Denn es ist im Grunde genommen völlig unwichtig und soll über einen so befriedigt bewerteten Teilaspekt möglicherweise ein allgemeines Funktionieren suggerieren, das es nicht gibt.

Das wird deutlich, wenn man sich die Forsa-Erhebung „Aktuelle Gefährdungspotenziale für Deutschland“ im Auftrag des Deutschen Beamtenbundes zu Gemüte führt. Dort heißt es: „90 Prozent der […] Bürger sehen Probleme in der Bildung als größte Gefahr für Deutschlands Zukunft. So steht Bildung noch vor der Zunahme gesellschaftlicher Spannungen (88 Prozent), einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich (85 Prozent), zunehmendem Rechtsextremismus (70 Prozent) oder auch dem Klimawandel (62 Prozent) an der Spitze der gesellschaftlichen Sorgen […].“ Nebenbei fragt man sich, inwiefern die jüngst von Innenminister Dobrindt ausgerufene Gefahr des Linksextremismus eine Rolle spielt, aber geschenkt. Wichtig ist, dass es offenbar doch nicht so rosig im Bildungsbereich aussieht, wie uns die Allensbach-Umfrage glauben lassen will.

Trotzdem deuten die Allensbacher auf drei wichtige Grundprobleme hin: finanzielle Ausstattung, Bürokratie und Kinder mit Sprachbarrieren. Neben dem zu hohen Verwaltungsaufwand werden fehlende finanzielle Mittel als größte Herausforderungen für die Schulen gesehen. 82 Prozent aller befragten Schulleitungen müssen außerdem mit mangelhaften Sprachkenntnissen von Eltern und Kindern umgehen.