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Vereinsaktivitäten zeitnah wieder ermöglichen

Redebeitrag zur Debatte vom 01.Juli 2021

Sehr geehrte Frau Präsidentin,

sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,

Mit 5,3 Mio. Menschen über 14 Jahre ist fast die Hälfte aller Baden-Württemberger ehrenamtlich oder bürgerschaftlich engagiert / mehr als in jedem anderen Bundesland.

Im Jahr 2020 gab es in Baden-Württemberg über 11000 Sportvereine. Tendenz — abwärts. 
Die Lage der Sportvereine ist alarmierend. Laut des deutschen Sportentwicklungsberichts befürchten 52,4 % in den nächsten zwölf Monaten eine „existenzbedrohende Lage“. Als Hauptgrund nennen die deutschlandweit über 20.000 befragten Vereine einen Rückgang der ehrenamtlichen Arbeit, sowie, noch stärker, den pandemiebedingten Mitgliederrückgang.

Aber nicht nur das!

Ich zitiere den Studienleiter Professor Christoph Breuer :

„Je länger Sportvereine ihren Zielen nicht nachkommen dürfen, desto schwächer wirken sie als stabilisierendes Element der Gesellschaft. Damit treffen die Folgen nicht nur die Vereinsmitglieder, sondern die gesamte Gesellschaft.“

Sportvereine blicken in Deutschland auf eine lange Tradition zurück. Ihre enorme gesellschaftliche Leistung, sowie das ehrenamtliche Engagement ihrer Mitglieder kann gar nicht oft genug positiv hervorgehoben werden.

Gerade jetzt ist der in Vereinen organisierte Sport für die Gesellschaft unverzichtbar. 

Zum Beispiel, indem Sportvereine mit Kindergärten, Schulen und Jugendämtern kooperieren, steht der Sport für einen weiter gefassten Bildungsbegriff und erfüllt dabei wichtige gesellschaftliche Aufgaben.

Vereine garantieren, -sich bewegen und bewähren zu können, ob als Fußballer, Feuerwehrmann, -als Sänger, Gartenfreund und Wanderer.

Eine Vereinsmitgliedschaft erhöht den Einzelnen bereits über sich hinaus, wie Kurt Tucholsky in seinem Gedicht „Das Mitglied“ konstatiert: „Da draußen bin ich nur ein armes Luder. Hier bin ich ich – und Mann und Bundesbruder in vollen Reihen.“

Mit fast 28 Mio. in Vereinen organisierten Mitgliedern gilt der Sport zurecht als größte Massenbewegung in Deutschland.

Meine Damen und Herren,

Es sind die Sportvereine, die Jugendlichen den Weg in den Sport ebnen, Wettkämpfe organisieren und Erfolgserlebnisse ermöglichen.

Gesunder Konkurrenzkampf wird erlernt, Selbstvertrauen aufgebaut, Herausforderungen positiv begegnet und Ziele Schritt für Schritt verfolgt.

In den Vereinen werden aber auch Werte vermittelt, die in unserer immer hektischeren Welt oft untergehen.

Begriffe wie Fairness, Respekt, Durchhaltevermögen oder Teamgeist werden in Sportvereinen mit Inhalt gefüllt, werden erlern- und erlebbar.

Nirgendwo sonst entsteht ein so starkes Wir-Gefühl, wie beim gemeinsamen Mitfiebern.

Dies bringt Menschen zusammen und schafft ein einzigartiges Gefühl der Zusammengehörigkeit. — Ganz zu schweigen von den positiven gesundheitlichen Aspekten.

Ihr Corona-Lockdown hat viele Vereine in eine existenzbedrohende Lage gebracht.

Ihr Corona-Lockdown hat von fast 4 Mio Vereinsmitgliedern in Ba-Wü sehr viel Geduld gefordert. Und dabei hat die Landesregierung stets die Hoffnung warmgehalten, dass das alte Vereinsleben zurückkehren wird.

Inzwischen wissen wir, dass wir mit dem Coronavirus werden leben, –ergo umgehen lernen, müssen.

In Anbetracht dieser Gewissheit muss mit Hochdruck an neuen Lösungen gearbeitet werden.  Denn Fakt ist, Ihr Lockdown war und ist kein Königsweg aus der Krise, sondern eine Kapitulation.

Wir fordern deshalb:

  • Sportliche Betätigungen unter freiem Himmel und in Sporthallen (auch von Delta bis Omega) muss gewährleistet werden
  • Sportunterricht in den Schulen im Wechselsystem beibehalten
  • unverzügliche Freigabe der Sporthallen für die zielorientierte Nutzung
  • Förderung der Sportvereine, z.B. auch durch Erhöhung der Übungsleiterpauschalen, statt 250 € mind. 400 € /Mon.
  • Anstelle von Sonntagsreden, — echte Anerkennung des ehrenamtlichen Engagements
  • Ausbau und Erhaltung der Sportstätten fördern
  • Finanzielle Unterstützung der Vereine und speziell auch der zugehörigen Gaststätten als Raum für Gemeinschaft

Vielen Dank.