Wenn Verwahrlosung zum Klassenkonflikt umgedeutet wird

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Quelle: KI-generiert

Es ist ein vertrautes Muster linker Nonsens-Schreiber: Wo Leistungen in Gruppen auseinanderdriften, wird flugs die in diesen Gruppen angeblich so erhebliche soziale Ungerechtigkeit bemüht. Beispiel: Anlässlich der sogenannten „Schülerproteste“ in Frankreich kann man  über Deutschland und Frankreich in den Mainstream-Medien lesen, dass Kinder aus wohlhabenden Akademikerfamilien bessere Chancen auf höhere Bildungsabschlüsse hätten, während andere „kaum sichtbare Hürden“ überwinden müssten, und genau da lägen die wahren Ursachen des Konflikts begraben. Arme Kinder protestieren gegen Bildungsbenachteiligung, die rich kids feiern derweil im Colfclub der Eltern.

Das ist vor allem Klassenkampfrhetorik. Denn in Deutschland und – so viel bekannt ist – auch in Frankreich stehen grundsätzlich allen Menschen sämtliche Bildungswege offen. Ein Arbeiterkind jedweder Hautfarbe ist weder vom Gymnasium noch vom Studium ausgeschlossen. Staatliche Schulen sind gebührenfrei, Hochschulen weitgehend ebenfalls, BAföG und günstige Studienkredite sollen finanzielle Unterschiede ausgleichen.

Dass trotzdem nicht alle dieselben Abschlüsse mit den gleich guten Noten erreichen, beweist noch keine gesellschaftliche Schranke, auch wenn das ganz wunderbar zum großen sozialistischen Plan passen würde. Es beweist nämlich zunächst nur, dass Kinder ganz offensichtlich mit höchst unterschiedlichen Voraussetzungen in die Schule kommen.

Ein wesentlicher Faktor bei der dann doch eher komplexen Lage – besonders auch beim französischen Nachbarn – ist beispielsweise  die Migration. Bei PISA 2022 galten 42 Prozent der Schüler mit Migrationshintergrund als sozioökonomisch benachteiligt, 63 Prozent sprachen zu Hause überwiegend eine andere Sprache als die Testsprache. Wer also über Bildungsprobleme und Klassenschranke redet und schreibt und dabei hinderliche Sprachdefizite, mangelnde Integration und kulturelle Andersartigkeit ausblendet, geht nicht dem eigentlichen Problem auf den Grund, sondern reitet die linken Narrative pseudo-progressiver Gesellschaftsarchitekten.

Natürlich haben Akademikerkinder oft Vorteile. Ihre Eltern können vielleicht besser bei Hausaufgaben helfen, Bildungswege besser einschätzen, Nachhilfe bezahlen oder früh einen größeren Wortschatz vermitteln. Das ist weder überraschend noch ein Beleg für ein ungerechtes Bildungssystem. Es ist vor allem ein Beleg dafür, dass sich Unterschiede im Elternhaus in den Bildungsläufen der Kinder zeigen (können). Der Staat kann solche Unterschiede nur abfedern, aber nicht nivellieren. Er kann Eltern nicht zwingen, gerne und viel zu lesen, mit ihren Kindern zu lernen oder Bildung einen hohen wie selbstverständlichen Stellenwert zu geben. Und er kann fehlende Sprachkenntnisse nicht für nichtig erklären, wenn weder Interesse noch Fähigkeiten vorhanden sind, Neues lernen zu wollen. Und dabei meine ich hier das Kommunikationswerkzeug, ohne das nichts in Sachen Bildung läuft: die gemeinsame Sprache des (Gast-)Landes, indem man in sein Leben starten will.

Wer daraus trotzdem vor allem ein Klassenproblem macht, lenkt von den unangenehmeren Fragen ab: Ist Massenmigration gut? Wie viel Integration gelingt tatsächlich? Welche Verantwortung tragen Eltern selbst? Wie kann man aus Kulturfremden, Kulturnahe machen?

Das Problem sind also nicht irgendwelche verschlossenen Türen durch undurchlässige Klassenschranken oder mangelhafte Integrationsangebote. Die Probleme sind Ablehnung  oder Unkenntnis von den Gepflogenheiten der abendländischen Gesellschaften, ein ganz erhebliches Kulturgefälle bei sehr vielen Migranten und der kaum vorhandene Leistungswille auch unter den „Bio-Deutschen“.